{"id":86,"date":"2021-01-26T19:10:48","date_gmt":"2021-01-26T17:10:48","guid":{"rendered":"http:\/\/petraresch.de\/?page_id=86"},"modified":"2021-02-05T12:54:23","modified_gmt":"2021-02-05T10:54:23","slug":"rezension-zu-bilder-umhuellen-die-zeit","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/petraresch.de\/?page_id=86","title":{"rendered":"-bilder umh\u00fcllen die zeit-"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Heinz Wei\u00dfflog zur Ausstellung -bilder umh\u00fcllen die zeit- | 2016<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">In einer Zeit chauvinistischer T\u00f6ne und nationaler Gro\u00dfsprecherei tr\u00e4gt der K\u00fcnstler seine Kunst als Vaterland in seinem Herzen. Die Kunst wird ihm zum Ort der Freiheit, auch wenn es um ihn herum dunkler wird. Bei-sich-sein ist ein seltener Zustand des Gem\u00fctes im Laufrad des Alltags und des Hin -und Her-Hetzens und Funktionierens im Brotberuf. Petra Resch betreibt ihre Kunst vor allem um dieses inneren Balance-Zustandes willen, sich selbst als &#8222;K\u00fcnstlerin&#8220; zu bezeichnen, wehrt sie vehement ab. Kunst ist f\u00fcr sie ein R\u00fcckzugsgefecht, nicht ein Raum-Zeit-Ort, in dem die Idylle herrscht, sondern Vertiefung und Auseinandersetzung (auch mit dem Zeitgeist), kreatives Tun zun\u00e4chst f\u00fcr sich selbst, dann aber auch f\u00fcr die ihr anvertrauten Studenten. Im Kleinen gro\u00df werden, hei\u00dft vor allem: Reifen angesichts der eigenen Bedeutungslosigkeit, jemand f\u00fcr sich selbst zu werden und etwas vom Sinn der eigenen Existenz an sich selbst zu erfahren, Wachsen wie in Jahresringen (in Rilkes Gedicht) und bewusster leben angesichts der noch bemessenen Zeit. So kann die Kunst eine Insel im Dauergetriebe der Hast werden, eine Br\u00fccke von au\u00dfen nach innen und umgekehrt. Ein Ort relativer Ruhe und Kontemplation. Und schlie\u00dflich, wie es diese Ausstellung auch unterstreicht, Br\u00fccken zwischen Menschen bauen, die einmal einander fremd waren und sich jetzt pl\u00f6tzlich f\u00fcreinander zu interessieren beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Petra Resch ist Kunst-Aus-\u00dcbung wichtig, ein Training der eigenen Fertigkeiten und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr sich aber auch f\u00fcr ihre Studenten. Damit wird sie auch als Person glaubw\u00fcrdiger. In der Vermittlung (learning by doing) von dem, was Kunst ausmacht, n\u00e4hmlich Handwerk und Imagination (das hei\u00dft Fantasie), arbeitet Petra Resch beispielhaft an der Vervollkommnung ihrer k\u00fcnstlerischen Mittel, zeigt wie man mit Farbe agiert und reagiert und den Pinsel f\u00fchrt. Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein Spiel mit den eigenen F\u00e4higkeiten und Ideen, sondern um ernsthafte Arbeit im Gegenwartsbezug, der die eigene Existenz ber\u00fchrt und herausfordert. Balancefinden hei\u00dft, Tragik, Schmerz und Trauer ebenso zum eigenen Thema zu machen wie Heiterkeit, \u00dcberschwang und Lebensfreude.<\/p>\n\n\n\n<p>Kindheit, Natur, Kunst<\/p>\n\n\n\n<p>Schon als Kind und Jugendliche wurde Petra Resch von Farbe und Licht auf Bildern angezogen. Auf dem Dorf gro\u00df geworden, wurde sie fr\u00fch mit dem Leben auf dem Lande vertraut. Die Grundschichtung ihrer Kindheit war stabil und in reger Aufgeschlossenheit f\u00fcr das sp\u00e4tere Leben. Natur und Leben sind keine Gegens\u00e4tze f\u00fcr sie seit Anbeginn. Auf vielen Reisen in die Welt nahm sie ihren inneren Mittelpunkt mit sich mit, trug die Heimat im Herzen \u00fcberall hin und schlie\u00dflich auf ihre Bilder: Ubi bene ubi patria. Inzwischen ist Malen f\u00fcr sie ein st\u00e4ndiger, lebendiger Prozess geworden, mit dem sie nicht mehr aufh\u00f6ren kann. Unentwegt formen sich Ideen zu Bildern, dr\u00e4ngen sich heraus auf Papier und Leinwand, f\u00fcgen sich in der Collage aus Zuf\u00e4lligem zu einem gl\u00fcckhaften Puzzle. &#8222;Es ist zu wenig Zeit, um all das ausflie\u00dfen zu lassen&#8220;, sagt sie bedauernd.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Collage<\/p>\n\n\n\n<p>Die Collage bedeutet f\u00fcrt sie vor allem \u00dcbung mit dem eigenen Zufall-Fundus (ZuHause und in der TU), die Nutzung von kunstgeschichtlichen Schriften, Karteikarten, Bildmaterial, die f\u00fcr sie eine gro\u00dfe Anregung f\u00fcr das eigene Schaffen darstellen, gleichzeitig aber auch wach halten, f\u00fcr das, was an Wichtigem in ihrem Fach geschieht. Die einzelnen Versatzst\u00fccke, Text-und Bildfragmente geben ihr die Ideen f\u00fcr die jeweilige Collage ein. Ihre besten Collagen entstanden durch \u00dcbermalungen von Bildern aus Journalen und B\u00fcchern (&#8222;Fallende Bl\u00e4tter&#8220;) oder Kompositionen zu Michelangelos &#8222;Piet\u00e1&#8220; und &#8222;J\u00fcngstem Gericht&#8220;, die mit hellen, wolkigen, geschwungenen Papierschnitten das altmeisterliche Thema als universale Ereignisse kommentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Malerei<\/p>\n\n\n\n<p>Petra Resch ist vor allem Malerin. Das bezeugt ihr feines Gesp\u00fcr f\u00fcr Farbe und Form, f\u00fcr die dialektischen Beziehungen der Farbformen, hell und dunkel, warm und kalt. Die klassische Moderne, Informel und abstrakter Expressionismus sind bis heute ma\u00dfgebliche Anregungen geblieben, vor allem Max Beckmann und August Macke. Verliebt ins Schwarz als strukturbildendes Element, beziehen ihre Acryl-Bilder daraus eine besondere Kraft und Schwere (&#8222;Marokkanische Landschaft&#8220;). Die Melancholie des Schwarz, daneben das nicht fassbare Licht des reinen Gelbs und die Tiefe von Ultramarin-Blau und Gr\u00fcn, seltener Rot, daf\u00fcr aber ein vorsichtiges Rosa sind ihre bevorzugten Ausdrucks-Farben. Es herrscht immer Spannung ohne ins Buntwertige zu kippen, sowohl auf dem jeweiligen Bild als auch zwischen den einzelnen Bildern im Ensemble der Ausstellung. Sichtachsen entstehen, angefangen von der Dominanz des Gelb und Schwarz auf der Front-Wand dieses Raumes (gelber Tondo und schwarze Rolltafel), erg\u00e4nzt durch eine kleine Episode in Blau, bis hin zum Eingang mit einem stark durchgearbeiteten Bild aus monochromen Blauwerten. Dort, wo nur eine Grundfarbe herrscht, spielt sie mit dem Farbauftrag, den pastosen Pinselspuren und Rissen, schrundigen und unebenen Fl\u00e4chen, die durch eine intensive Transparenz auffallen. Petra Resch arbeitet auch in ihrer Malerei in Serien, indem sie ein Grundthema wie eine Fuge oder eine Variation behandelt. Eine dieser farbenfrohen Bildserien sind die Acrylbilder auf Papier &#8222;Im Garten&#8220;, fr\u00fcchte-und bl\u00fctenschwere Naturst\u00fccke zwischen Landschaft und Stillleben. Dass die menschliche Figur im Schaffen von Petra Resch auch ihren Platz hat, demonstrieren die beiden blauen Figurationen &#8222;Unruhe&#8220;, zwei bedr\u00fcckende Menschenschemen, die von einer an ihrer Seite befindlichen, kleinen Bildtafel in knalligem Rot konterkariert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Collage und Malerei von Petra Resch (auch ihre Gedichte) haben jene Melancholie, die Romantik und Existenz einschlie\u00dfen und miteinander verschmelzen. Das Bild &#8222;Die Blaue Blume&#8220; bildet das geistige Zentrum dieser Ausstellung, ein Hochformat von besonderer Ausstrahlung, Gleichnis f\u00fcr Wurzel, Wachstum und Licht. Einerseits im praktischen und beruflichen Leben fest geerdet, spiegeln sich in den Werken von Petra Resch transzendente Momente und ein poetischer Idealismus, der tr\u00e4umt und liebt um seiner selbst und um der Schaffung von Sch\u00f6nheit willen. Kunst ist Selbsterfahrung. F\u00fcr den geistig t\u00e4tigen Menschen immer wieder sich selbst erneuernde Geistspeise und Kraftquelle f\u00fcr ein erf\u00fclltes, wach gelebtes Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Briefroman &#8222;Hyperion&#8220; von Friedrich H\u00f6lderlin hei\u00dft es \u00fcber die Kunst auch, an Diotima und Bellarmin gewandt: <\/p>\n\n\n\n<p><em>Das erste Kind der menschlichen, der g\u00f6ttlichen Sch\u00f6nheit ist die Kunst. In ihr verj\u00fcngt und wiederholt der g\u00f6ttliche Mensch sich selbst. Er will sich selber f\u00fchlen, darum stellt er seine Sch\u00f6nheit gegen\u00fcber sich. So gab der Mensch sich seine G\u00f6tter. Denn im Anfang war der Mensch und seine G\u00f6tter eins, da, sich selber unbekannt, die ewige Sch\u00f6nheit war. <\/em><br><em>-Ich spreche Mysterien, aber sie sind.-<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Text: Heinz Wei\u00dfflog<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz Wei\u00dfflog zur Ausstellung -bilder umh\u00fcllen die zeit- | 2016 In einer Zeit chauvinistischer T\u00f6ne und nationaler Gro\u00dfsprecherei tr\u00e4gt der K\u00fcnstler seine Kunst als Vaterland in seinem Herzen. Die Kunst wird ihm zum Ort der Freiheit, auch wenn es um ihn herum dunkler wird. 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