{"id":77,"date":"2021-01-28T17:20:28","date_gmt":"2021-01-28T15:20:28","guid":{"rendered":"http:\/\/petraresch.de\/?page_id=77"},"modified":"2021-02-23T22:00:57","modified_gmt":"2021-02-23T20:00:57","slug":"eros-ion-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/petraresch.de\/?page_id=77","title":{"rendered":"-eros ion-"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Dr. Axel Sch\u00f6ne zur Ausstellung -eros ion- Malerei auf T\u00fcchern und Papier |&nbsp;1994<\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Matisse und seine Freunde glaubten &#8211; auf der Suche nach dem gro\u00dfen monumentalen Bild -, nicht vom Licht komme das Heil, wie die Impressionisten meinten, sondern aus der Farbe und ihren Kontrasten, die Bau und Form in sich bereits enthalten. Der Kreis um Kandinsky treibt die Entdinglichung voran, man &#8222;verschm\u00e4ht das Metaphorische&#8220;, strebt eine innere Unmittelbarkeit an. Farbsynthese und Seelenvibration werden zum Mittel und Zweck des Ausdrucks erkl\u00e4rt. &#8222;Man flieht die Dinge und \u00e4u\u00dferes optisches Erlebnis und glaubt, dass die innere Schau vom Drau\u00dfen g\u00e4nzlich abgespalten werden kann; (aber) man bezahlt den Step ins Ich mit dem Verlust gesehener Welt&#8220;, analysierte Carl Einstein. Bei allen Innovationsprozessen bleibt etwas auf der Strecke. Der um 1910 verbreitete Wunsch, psychische Abl\u00e4ufe aufzuzeichnen, f\u00fchrte zur Abstraktion als einer M\u00f6glichkeit, sehr intensiv seelisches Geschehen in Bilder umzusetzen. Aber, meint Einstein auch, &#8222;es war verh\u00e4ngnisvoll, dass die deutschen \u00c4sthetiker und K\u00fcnstler einen Gegensatz von abstrakter und darstellender Kunst gebildet hatten, statt zu begreifen, dass die sogenannte &#8218;abstrakte&#8216; Kunst nicht weniger konkret, ja vielleicht pr\u00e4ziser darstellte, als die sogenannte nachahmende Kunst&#8230;&#8220;. Freilich, auch diese Auffassung ist nicht unumstritten. Wer das alles als Dilemma empfindet, kann dem vielleicht entgehen, wenn er sich auf Herwarth Walden einl\u00e4sst: &#8222;Die Kunst ist. Das ist die Wirklichkeit der Kunst.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es ein mutiges Unterfangen, der existierenden Unzahl von Bildern neue hinzuzuf\u00fcgen? Wer malen will, muss sich mit der an sich niederschmetternden Tatsache arrangieren, dass alles Gute schon gemalt wurde. Das zu verkraften und dennoch produktiv zu machen gibt es drei M\u00f6glichkeiten, jede auf ihre Art radikal und nur deshalb kunsttauglich: Ignoranz, Arroganz sowie eine unbez\u00e4hmbare innere Kraft, die zum Gestalten zwingt. Besonders letzteres ist wohl der entscheidende Antrieb f\u00fcr Petra Reschs bildnerische T\u00e4tigkeit. Dabei geht es ihr &#8211; als Kunstlehrende &#8211; nicht lediglich um eine systematische L\u00f6sung rein bildnerischer Probleme, die sich aus dem Gebrauch von Farbe und Struktur, Fl\u00e4che und Linie zwangsl\u00e4ufig ergeben, sondern um eine Verarbeitung pers\u00f6nlicher Empfindungen, Erfahrungen oder Visionen mit bildnerischen Mitteln. Dieser Anspruch wuchs allm\u00e4hlich.<br>Am Anfang war der Wille.<br>Streckenweise begleitet von Wort und vom Zweifel wurde daraus eine \u00dcberzeugung, eine \u00dcberzeugung, in einer ganz bestimmten Art und Weise arbeiten zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Petra Reschs Malereien markieren ein solches Stadium: eine gewisse bildnerische und pers\u00f6nliche Sicherheit als Resultat bewusst vorangetriebener Findungsprozesse.<br>Dies nennt man gemeinhin Beharrlichkeit. Die darin enthaltene Komponente &#8222;Konsequenz&#8220; wird dabei oft vom Unterton der Verbissenheit \u00fcberlagert &#8211; nicht ganz zu unrecht, im allgemeinen. Im besonderen &#8211; und das ist ein Gl\u00fcckspunkt &#8211; trifft es nicht zu: An keiner Stelle mi\u00dfmutige Verkniffenheit oder pauschalierende Doktrin: die T\u00fccher sind\/bleiben lebendig im Ausdruck, von beschwingter Heiterkeit, ja Gel\u00f6stheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet keinesfalls, dass die Arbeiten den Ausdruck einer einlullenden, platten Idyllik suchen. Im Gegenteil. Das kann wohl auch nicht anders sein. Bei aller Sehnsucht nach Ausgleich und Harmonie lassen die Dissonanzen des n\u00e4heren Umfelds (Scheinheiligkeit und Rank\u00fcne eingeschlossen) auch eine schaffende Pers\u00f6nlichkeit nicht unangefochten. F\u00fcr mich ist ein Grundzug der hier gezeigten Malereien harmonische Gespanntheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Petra Resch wirft Netze aus, <br>Netze aus transparent duftenden Farbbahnen, auf und in denen sich dunkeltonige Streifen, Schlingen und B\u00f6gen, vitale Spuren jedenfalls, verfangen.<br>Die farbig bewegten Gr\u00fcnde sind sorgsam gestimmt und zumeist von betr\u00e4chtlicher innerer Spannung: gr\u00f6\u00dfere Flecken und Fl\u00e4chen werden von kleineren Farbinseln assistiert, diffus schwimmende Kl\u00e4nge werden durch kr\u00e4ftige, reine T\u00f6ne relativiert. Dabei lassen sich Vorlieben f\u00fcr bestimmte Farben erkennen, f\u00fcr ein k\u00fchles Blau, ein Moosgr\u00fcn, ein tiefes dunkles Rot beispielsweise. Einzelne Formen l\u00f6sen sich auf und &#8211; so seltsam es klingt &#8211; bilden eine einzige, das gesamte Tuch bestimmende Farbform. Dies ist wohl das Resultat einer malerischen Diszipliniertheit, die aller Emotionalit\u00e4t und allem spontanen affektiven Antrieb parallel l\u00e4uft. So entgeht die Malerin der Gefahr, in einem ungez\u00fcgelten matten Farbbrei zu versinken.<br>Struktur und vor allem\u00a0Farbe sind die bestimmenden Komponenten der Arbeiten. Raum wird der Farbe geopfert. Die Imagination des Raumes ist eher meditativer Art. &#8211; Das ist \u00fcbrigens eine interessante Tendenz &#8211; zu k\u00fcnstlerischen Auftrittsformen der Verr\u00e4umlichung (Objekte, Installationen, multimediale Raumgestaltung) dr\u00e4ngt, bleiben die Bilder und Bl\u00e4tter eher raumlos fl\u00e4chig. Aus der Skala bildgestaltender Mittel interessieren Petra Resch einige in besonderem Ma\u00dfe:<br>\u00dcberlagerungen, Kontraste und die Kreisform.<br>Sie l\u00e4sst Farben in das Gewebe eindringen, \u00fcberdeckt sie mit neuen Schichten. Manches st\u00f6\u00dft sich ab. Die Farben haben unterschiedliche suggestive Qualit\u00e4t. In oft mehrstufigen Arbeitsprozessen werden sie ihrer W\u00e4rme oder K\u00fchle, ihrem Gewicht und ihrer Konsistenz entsprechend aufgeteilt, aufeinander bezogen &#8211; also in Ordnung gebracht. Streifen, gestische Schw\u00fcnge und informelle Spuren werden mit dem Farbfond in einen kompositorischen Zusammenhang gef\u00fchrt. So ergeben sich variantenreiche Kontraste zwischen Fl\u00e4chen und Struktur, zwischen Dichte und Offenheit, zwischen Statik und Dynamik. Das Interesse an derartiger materieller Mehrschichtigkeit wird schon in Petra Reschs fr\u00fcheren, vielfach \u00fcbermalten, kleinformatigen Collagen auf Pappe sichtbar. Aber auch die eher grafisch intendierten Spuren und Linienb\u00fcndel pendeln zwischen streng kontrolliertem Verlauf und psychisch gesteuertem Automatismus. Steile Schr\u00e4gen, Winkel und B\u00f6gen bilden einerseits elementare Formen, gestatten andererseits fig\u00fcrlich-gegenst\u00e4ndliche Assoziationen wie Kopf, Frau, Strauch, Wasser, Landschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wechsel zwischen Bildteilen mit verhalten suchenden Pinsel- bzw. Schwammspuren und exzessiv ausbrechenden, dynamischen Geb\u00e4rden bewahrt &#8211; vor allem den T\u00fcchern &#8211; eine wohltuende Magie der Formen- und Farbkl\u00e4nge. <\/p>\n\n\n\n<p>Berechnung und Rausch, Kalk\u00fcl und unb\u00e4ndige Freude sind ebenso wie meditative und eruptive Phasen, nachvollziehbar, erfahrbar auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Wege zu einer reinen, strengen, abstrakten Malerei ist Petra Resch zu diesen ma\u00dfvollen unliterarischem, vitalen Bildordnungen gekommen. Eine Zwischenstation zum angestrebten Ideal. Paul Klee beschrieb es so: &#8222;Reine Kunst entsteht, wenn der Ausdruck des Formelements und der Ausdruck des formalen Organismus sich mit dem Geist des Inhalts sichtlich deckt. Und bei einem Organismus stehen die Teile in augenf\u00e4llig gegliedertem Verh\u00e4ltnis zum Ganzen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl die hauchd\u00fcnnen Seidenpapiere, als auch die sparsamen Schabzeichnungen sowie die gro\u00dfen, im guten Sinn dekorativen T\u00fccher enthalten die Wichtigkeit des Teilchens und des Ganzen, sind umfassender Ausdruck f\u00fcr lustvolles Erschaffen und unweigerliche Abnutzung. Das beziehungsreiche Motto der Ausstellung EROSION ist ein verbaler Reflex auf das bildhaft Vorgetragene. Sympathisch ist: Vor diesen Arbeiten l\u00e4sst sich verweilen und angeregt miteinander sprechen; Eiferer werden angesichts der r\u00fcckhaltlosen k\u00fcnstlerischen Ehrlichkeit verstummen.<\/p>\n\n\n\n<p>Text: Dr. Axel Sch\u00f6ne<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Axel Sch\u00f6ne zur Ausstellung -eros ion- Malerei auf T\u00fcchern und Papier |&nbsp;1994 Matisse und seine Freunde glaubten &#8211; auf der Suche nach dem gro\u00dfen monumentalen Bild -, nicht vom Licht komme das Heil, wie die Impressionisten meinten, sondern aus der Farbe und ihren Kontrasten, die Bau und Form in sich bereits enthalten. 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